Kuchen und Blumen

Feier des 100. Continuation Day von Thay, Impressionen


Was für ein Sonntag! Am 11. Oktober 2026 kamen im Münchner Achtsamkeitszentrum rund 50 Praktizierende zusammen, um gemeinsam den 100. Continuation Day von Thich Nhat Hanh (Thay) zu feiern. Das Besondere: Zum allerersten Mal feierten die vietnamesische und die deutsche Sangha diesen Tag gemeinsam – mit jeweils 25 Teilnehmenden Seite an Seite.

Obwohl die Räume bis auf den letzten Platz gefüllt waren, fühlte es sich zu keinem Zeitpunkt eng an. Die Achtsamkeit, Herzlichkeit und die gegenseitige Fürsorge schufen von der ersten Minute an einen weiten, warmen Raum, in dem jede und jeder sofort ankommen konnte.

Schon beim Eintreten fiel der liebevoll geschmückte Altar ins Auge: Thays Meditationskissen stand bereit, dazu eine bunte Geburtstagstorte mit „100er“-Kerzen und viele Blumen.

Und auch der Buddha im Achtsamkeitsstüberl strahlte umgeben von frischen Blumen und Früchten. Maria hatte einen Baum gebastelt, an dem die Teilnehmer heilsame Wünsche, Danksagungen und Versprechen an Thay anhängen konnten.


Still werden und tief lauschen: Die Morgenzeremonie

Der gemeinsame Tag begann mit 20 Minuten stiller Meditation, eingeleitet durch den traditionellen vietnamesischen Morgenvers.

Im Anschluss führte Thomas mit viel Feingefühl durch die Zeremonie, bei der wir unter anderem das neue Herzsutra auf Deutsch sangen. Ein echter Höhepunkt des Vormittags war Thomas’ Vortrag zum Thema „Thays Erbe“. Darin zeigte er anschaulich und berührend, was die Plum-Village-Tradition so einzigartig macht und wie konkret uns Thays Lehren Tag für Tag in unserer Praxis und im Alltag unterstützen können.

👉 [Hier klicken: Vortrag „Thays Erbe“ von Thomas]

Ein Festmahl für die Sinne – und für den Magen!

Wer je mit der Sangha gegessen hat, weiß: Gemeinschaft geht auch durch den Magen! Das Buffet, das die vietnamesische Sangha zauberte, war schlichtweg atemberaubend: duftender Reis, wärmendes Curry, unzählige wunderbar gewürzte Tofu-Variationen, knusprige Frühlingsrollen, feines eingelegtes Gemüse, frische Kräuter, köstliche Saucen und farbenfrohes Sushi – alles vegetarisch, vieles vegan und mit so viel Liebe zubereitet.

Als Nachspeise lockten frische Früchte und Desserts, darunter traditioneller Kuchen mit Pandan-Blättern. Ich habe mir gleich zweimal Nachschlag geholt – und es trotzdem nicht geschafft, alle Köstlichkeiten durchzuprobieren! Vor lauter Schlemmen und fröhlichem Austausch dauerte die Pause etwas länger als geplant, aber Genießen („Enjoy“) gehört auch zu den Besonderheiten der Plum Village Tradition.


„In der Art zu Atmen und zu Gehen“

Zur Gehmeditation machten wir uns anschließend mit Thays bekannter Anekdote über die drei Tafeln auf seiner Stupa auf den Weg:

„Ihr findet mich nicht hier drinnen. Auch nicht draußen, aber in der Art zu Atmen und zu Gehen!“

Entsprechend achtsam und bewusst setzten wir Schritt für Schritt – Thay war in jedem unserer Atemzüge und Schritte lebendig mitten unter uns.


Lachen, Poesie und Musik: Ein bunter Nachmittag

Am Nachmittag wurde es lebendig und berührend zugleich. Wir lauschten Anekdoten und Geschichten von Thay – sowohl auf Deutsch als auch auf Vietnamesisch vorgelesen: von der Begegnung mit einem französischen Soldaten, über den Bodhisattva Martin Luther King Jr. bis hin zur Geschichte um die „drei Tafeln“ („Hier bin ich nicht“).

Tief bewegend waren die Momente der Dichtung:

  • „Dặn dò“ (Empfehlung): von Thay auf Vietnamesisch gesprochen, auf Deutsch gelesen und gesungen von Thay Phap An.
  • „Hãy gọi đúng tên tôi“ (Bitte nenne mich bei meinen wahren Namen): von Thay im Originalton gesprochen, auf Deutsch gelesen und von Hanh auf Vietnamesisch gesungen.

Und was wäre ein Fest ohne Gesang? Gemeinsam stimmten wir viele vertraute Plum-Village-Lieder an – teils dreisprachig auf Deutsch, Englisch und Vietnamesisch:

  • „Ich bin die Wolke“
  • „Mỗi lần mình thức dậy“ (Whenever I wake up)
  • „Ich atme ein, ich atme aus“
  • „Happiness is here and now“
  • „No coming, no going*“*
  • „Mặt trời hồng tỉnh thức“ (Die rosige Sonne des Erwachens)

Der Raum schwang förmlich vor Freude und Herzenswärme. Ein wunderbares Beispiel dafür: Auf meinen vorsichtigen Einwand, die deutsche Fassung von ‚No Coming, No Going‘ holpere doch immer so und wir sollten sie vielleicht besser weglassen, belehrte uns die vietnamesische Sangha prompt eines Besseren. Sie hatte nämlich ihre ganz eigene deutsche Version gedichtet und sang diese völlig ohne jedes Holpern – dafür mit umso mehr Herz und ansteckender Freude.

Fortsetzung folgt?

Dieser 100. Continuation Day war in jeder Hinsicht ein rundum gelungener Tag. Die Verbundenheit zwischen beiden Sanghas war so spürbar, dass am Ende viele den Wunsch äußerten: Das machen wir ab jetzt jedes Jahr!

Ein riesengroßes Dankeschön an alle, die vorbereitet, gekocht, gelesen, vorgetragen, musiziert und diesen unvergesslichen Tag mit ihrer Präsenz bereichert haben. Thay lebt in uns und unserer gemeinsamen Praxis weiter!