Amoghavajra Karl Schmied (1933 – 2006)

Karl Schmied

Lebensdaten

1980 Mitglied des Ordens Arya Maitreya Mandala (AMM) gegründet 1933 von Lama Anagarika Govinda, dem großen deutschen Gelehrten, Poeten, Maler und Meditationsmeister. Im Orden mehrjähriges Studium des Dharma.

1983 Meditations-und Dharmlehrer (Dharmacarya des AMM und stellvertretender Vorsitzender der Stiftungsrates der Lama und Li Gotami Govinda Stiftung.

1984-88 Präsident der Deutschen Buddhistischen Union, seit 1995 Ehrenrat

1990 Gründer und spiritueller Leiter der Gemeinschaft für achtsames Leben Bayern e.V. (GAL)

1991 Mitglied des Ordens Intersein gegründet von Thich Nhat Hanh

1992 Initiator und Mitbegründer des Maitreya-Fonds e.V. (Hilfe für Vietnam)

1992 Mitbegründer und Redakteur der Zeitschrift Intersein

1994 Dharmacarya des Ordens Intersein

1994 Das Intersein-Koordinationsbüro wird gegründet.

1998 Initiator und Mitbegründer des Intersein-Zentrums für Leben in Achtsamkeit in Hohenau im bayerischen Wald. Am 22. Mai 1999 war die feierliche Eröffnung.

2006 Karl Schmied, Chân Pháp Nhãn (Wahres Auge des Dharma), Dharmalehrer in der Tradition der Plum Village Dhyâna-Schule, ist am 7. Mai 2006 nach schwerer Krankheit in die «Große Verwandlung» eingetreten.

Nachruf

nocoming

Thich Nhât Hanh schreibt an ihn:

Lieber Karl,
du hast das getan, was du immer tun wolltest. Du hast das, was zu tun war, für dich selbst, für deine Lieben, für deine Ahnen, für deine Sangha und für das Dharma, getan. Heute bist du nicht mehr in dem Körper, den wir kannten, du bist in neuen Körpern und fährst fort damit, die Dinge zu tun, die du tun möchtest. Denn du hast das Dharma-Auge. Wir haben dich in dem, was du tun wolltest, unterstützt und wir möchten das weiterhin tun. Du hast uns in unserer Praxis und in dem, was wir zu tun versucht haben, von ganzem Herzen unterstützt, und wir möchten, dass du uns weiterhin darin unterstützt. Wir brauchen dich. Und wir wissen, dass du uns auch weiterhin unterstützen wirst. Du warst ein wundervoller Dharmalehrer und ein wunderbarer großer Bruder für viele von uns. Wir möchten, dass du in deinen neuen Erscheinungen so weitermachst. Du weißt sehr gut, dass es kein Kommen und kein Gehen gibt und wir fühlen deine starke Präsenz mitten unter uns. Lieber Karl, du bist jetzt «erneuert» worden und du genießt deine neuen Manifestationen. Lass uns weitergehen als Fluss.
Lass es uns genießen, mit dir den Hügel des einundzwanzigsten Jahrhunderts zu ersteigen, zusammen.

Der Fluss, von dem Thich Nhat Hanh spricht, trägt viele Tropfen, die Karl Schmied beigetragen hat:

1990 gründete er die Gemeinschaft für achtsames Leben Bayern e.V., und war all die Jahre ihr engagierter spiritueller Leiter. Mit Freunden zusammen rief er den Maitreya Fonds, ein Hilfsfonds für notleidende Kinder, alte Menschen und Leprakranke in Vietnam, 1992 ins Leben. Es war sein großes Anliegen ein wenig Linderung in dieses Land zu bringen. Die Zeitschrift «Intersein» wurde von ihm mitbegründet, herausgegeben und er gehörte der Redaktion an. Initiator und Mitbegründer war er ebenfalls beim Intersein Zentrum für Leben in Achtsamkeit – Haus Maitreya – in Hohenau. 2004 wurde das Praxis und Meditationshaus «Quelle der Achtsamkeit» eröffnet, das unter der spirituellen Leitung von Karl und Ilona Schmied ein Ort der Praxis geworden ist.

Interview

SJ: Wann ist dir Thich Nhat Hanh zum ersten mal begegnet?

KS: Das war 1988 im Kamalashila Institut in Wachendorf. Ich wusste sofort, dass wir viele Jahre ein Stück Weg gemeinsam gehen würden. Mich überzeugte damals vom ersten Moment an Thays Persönlichkeit, sein Charisma und seine sanfte und doch klare, entschiedene Praxis.

SJ: Gibt es eine Begegnung mit ihm, die dir ganz besonders wichtig ist?

KS: Es gibt natürlich viele. Sehr präsent in mir ist das Erleben, als ich auf dem Berg Yen Tu in Nord-Vietnam auf dem Meditationsplatz des früheren Königs und späteren Meditations- und Dharmalehrers Tran Nhan Tong saß und Thay ganz tief in mir gespürt habe. Ich war mit ihm und allem was mich umgab in einer Intensität, wie ich sie später nur selten erlebte, verbunden.

Ich war mit Thay und Sangha-Mitgliedern jüdischer Herkunft auch im Warschauer Ghetto. Am Eingang dort war plötzlich all das Leid von damals wieder präsent und gegenwärtig. Wie ich als Junge der gerade in die Schule gekommen war, mitbekommen habe, dass einige gute Freunde und ihre Eltern von einem Tag auf den anderen auf einmal nicht mehr da waren.

Und ich sehe Thay wie er in Prag mitten auf der Straße stehen blieb als die Mittagsglocken läuteten. Er war sehr ruhig und still. Abends hielt er einen Vortrag in der Karls-Universität und erzählte, dass er heute zu Mittag, das Herz Europas, sein Wesen und seine Kultur gespürt hätte und einen neuen tieferen Bezug zu unserem Kontinent, auf dem er schon so viele Jahre im Exil lebt, bekommen habe. Das hat mich um so mehr berührt, weil ich selbst aus einem Städtchen in Mähren stamme und von dort mit meinen Eltern 1946 ausgewiesen wurde, nachdem ich nach dem Krieg eine schwierige Zeit in Lagern verbracht hatte.

SJ: Was ist das Wichtigste, das du nach so vielen Jahren intensiver Praxis an andere weitergeben würdest?

KS: Im Jetzt leben und friedvolle Gelassenheit entwickeln, zu akzeptieren, was mir auf Grund der bestehenden Bedingungen widerfährt, und vor allem loszulassen – Konzepte, Wünsche und Gewohnheiten –, um mehr Freiheit zu erfahren.

Jeden Tag üben und nochmals üben – die Praxis ist die Grundlage für unser Leben. Dabei jede Situation des Alltags als eine Möglichkeit zum Praktizieren sehen und entdecken, wie wertvoll und schön das Leben ist und wie viel Freude wir auch in schwierigen Zeiten entdecken können, wenn wir uns und andere in unserem So-Sein annehmen.

SJ: Es gibt das Maitreya-Haus, den Maitreya-Fonds. Weshalb immer Maitreya?

KS: Der Bodhisattva Maitreya war und ist seit vielen Jahren mein Leitbild. Dieser „Große Liebende“ symbolisiert für mich die Dynamik und Aktualität des Buddha-Dharma. Ich weiß, dass er eine Kraft in mir selbst ist und selbst wenn ich den Kontakt für einige Jahre unterbrochen habe, hat er sich doch immer wieder zu meiner tiefen Freude in glückhaften meditativen Prozessen bemerkbar gemacht. Ich bin zutiefst überzeugt, dass Maitreya als geistiges Potenzial schon jetzt existiert und in dem Maß in Erscheinung tritt, indem wir Netzwerke bilden, unsere Praxis verstärken unser Bewusstsein verändern und Schritt für Schritt dadurch seine Präsenz in dieser leidenden Welt immer deutlicher werden lassen.

SJ: Verändert ein 70. Geburtstag das Leben? Hast du Angst vor der “großen Verwandlung“ also dem Tod?

KS: Es ist ein Tag der Kontinuität. Ich möchte noch ein Buch schreiben und meine Erfahrungen mit Lesern teilen. Weiterhin lernen mit mir selbst und anderen liebe- und verständnisvoller umzugehen sowie mein Mitgefühl und tiefere Einsichten zu stärken.

Nicht der Tod macht mir Angst, aber manchmal der Gedanke an das Sterben und dem letzten „Lassen“. Ich wünsche mir die gleiche Furchtlosigkeit und das kleine Lächeln Lama Govindas als er seinen Körper ablegte.

SJ: Was freut dich?

KS: Meine Partnerin und meine Tochter zu sehen sowie die beiden Enkel, die mir die Kontinuität meines Lebensstromes so deutlich machen. Und wenn mich jemand Bruder Karl nennt.

Die Fragen stellte Sabine Jaenicke.

Fotos

Karl Bei den Tagen der Achtsamkeit

bei den Tagen der Achtsamkeit

Karl bei Seminaren im Intersein Zentrum

bei Seminaren im Intersein-Zentrum

Karl mit Sister Chan Khong

mit Sister Chan Khong

Karl mit Thich Nhat Hanh

mit Thich Nhat Hanh

Karl mit Thay

mit Thich Nhat Hanh

Karl In der Wüste

in der Wüste

Karl In der Wüste

in der Wüste

Karl sitzend

zuhause auf der Terrasse

 

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